Aufgaben und Ziele des Faches Kunst

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“ (Paul Klee)

Bildkompetenz

Eine entscheidende Aufgabe im Kunstunterricht sehen wir darin, unsere Schülerinnen und Schüler anzuleiten, sich in einer zunehmend durch Bildinformationen oder auch durch Bildhandlungsimpulse bestimmten Gesellschaft und Welt zurechtzufinden. Die Bilderflut und -vielfalt (z.B. aus Internet, Fernsehen, Zeitungen, Museen, digitalen Medien, CD-Hüllen, Graffiti, Selfies oder privaten Fotos) führen schnell zu einer Reizüberflutung, so dass viele Menschen beachtenswerte Bilder kaum noch bewusst wahrnehmen können.
Daher ist es uns gerade deshalb wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler einen angemessenen Umgang mit Bildern im Kunstunterricht erlernen, um eine „Bildkompetenz“ zu erlangen.

Lernen im Kunstunterricht bedeutet nicht nur Kenntniszuwachs und bewusstes, differenziertes Wahrnehmen, sondern auch Handeln bzw. Gestalten. Die praktische Arbeit unterscheidet den Kunstunterricht von vielen anderen Fächern. Kunstunterricht ist daher in seiner Grundstruktur produktionsorientiert. Hier lernen unsere Schülerinnen und Schüler nicht nur sich zu Aspekten ihrer Welt- und Selbstwahrnehmung auszudrücken, sondern auch ihre und andere Bilder im Zusammenhang anderer Gestaltungen zu reflektieren. Auf diese Art und Weise erschafft Kunstunterricht nicht nur einen kompetenten, bewussten Umgang mit der Omnipräsenz der Bilder, sondern fördert in einem besonderen Maße die Persönlichkeitsbildung unserer Schülerinnen und Schüler, so dass sie eigene Sichtweisen und Standpunkte reflektiert vertreten können (Wissenschaftspropädeutik).

Das unterrichtliche Angebot des Faches

Kunstunterricht findet im Regelunterricht der Sekundarstufe I statt.

Im Sommer 2018 endete das zweijährige Pilotprojekt unserer Kunstklasse (Klasse 6a), in welcher eine Stunde mehr Kunstunttericht angeboten wurde. Ziel war eine intensive, kreative Entfaltung der einzelnen Schülerinnen und Schüler, wobei die Freude und das Gestalten im Vordergrund standen. Diese Klasse stellte ihre Arbeiten in Form einer besonderen Abschlusspräsentation „Tierporträts“ aus, die in Zusammenarbeit mit dem Krefelder Künstler Frank Esser entstanden.

Parallel startete das künstlerische Profil ab Klasse 5, welches alle zwei Wochen in einer Doppelstunde gehalten wird. An besonderen Profiltagen arbeiten die Schüler entweder in unseren Atelierräumen zu einem besonderen Thema und/oder gestalten an einem außerschulischen Lernort (z.B. Kaiser Wilhelm Museum Krefeld, Museum Kunstpalast Düsseldorf). Zum Schuljahresende werden die entstandenen Gestaltungsarbeiten und Projekte zusammen mit den anderen Profilen in einer Ausstellung präsentiert.

In der jetzigen Jahrgangsstufe 7 finden für ein Schuljahr durchgängig zwei Stunden Kunst statt. In den Klassen 8 und 9 wird der Kunstunterricht halbjährig im Wechsel mit dem Fach Musik angeboten. Für das Schuljahr 2019/20 wird ein künstlerisches Angebot für den WPII-Bereich angestrebt.

In der Oberstufe unseres Gymnasiums wird Kunst momentan in der EF, Q1 und Q2 als dreistündiger Grundkurs unterrichtet und kann von den Schülerinnen und Schülern als drittes oder viertes Prüfungsfach im Abitur gewählt werden. Einen Leistungskurs und einen Projektkurs gibt es zur Zeit noch nicht. Die Fachschaft Kunst unterstützt jedoch deren Einrichtung.

Das Ricarda-Huch-Gymnasium ist zur Zeit mit Kunsterziehern personell so ausgestattet, dass die Stundentafel im Fach Kunst zuverlässig erfüllt werden kann. Die Unterrichtseinheiten werden entweder als Einzelstunde und Doppelstunde gehalten, oder bei Einzelstunden im Vierzehntagesrhythmus als Doppelstunden erteilt.

Unsere Schule besitzt zwei größere Kunstateliers mit großen Fenstern, Hier ist der Anfang einer Petersburger Hängung (eine besondere Reihung von Gemälden) von Schülerarbeiten zu sehen, welche kontinuierlich erweitert wird. An den größeren Atelierraum schließt sich ein kleinerer Materialraum an, der auch von außen über einen Durchgangsraum (Materiallager) zu erreichen ist. Diskutiert wird, ob mittelfristig im kleinen Materialraum mehrere Netzanschlüsse zur digitalen Bildbearbeitung installiert werden. Im größeren Atelier befinden sich zwei Druckpressen, mit denen unterschiedliche Drucktechniken gestaltet werden können.

Das kleine Ricarda-Atelier (Rica) befindet sich im Erdgeschoss und wird von Kolleginnen der Kunstfachschaft im Rahmen von Ricarda13+ betreut. Hier werden die unterschiedlichsten Materialien zum Zeichnen, Malen und Dreidimensionalem Gestalten Schülern angeboten, damit diese in ihrer Mittagspause kreativ tätig sein können.

Außerdem wurden sechs Tagtools(intermediale Zeichenwerkzeuge) in einem Lehrer-Workshop unter Anleitung des Tagtool-Künstler-Teams „Lichtgestalten“ mit Mathias Plenkmann und Christian Spieß gebaut. Mittelfristig sollen mehrere Tablets angeschafft werden.

Das außerunterrichtliche jahrgangsübergreifende Angebot des Faches Kunst

Um Grundschüler und Grundschülerinnen für den Kunstunterricht des RHG zu begeistern, bietet die Fachschaft Kunst mehrere Termine für ein Schnupper-Atelier an. Dabei werden unterschiedliche Gestaltungsangebote ausprobiert (z.B. experimentelles Drucken, dreidimensionales Gestalten; z.B. Seifenobjekte, Insekten).

An vier Tagen in der Woche öffnet die Kunstfachschaft von 13:30 Uhr bis 15:00 Uhr ihr Ricarda-Atelier (Montag bis Donnerstag). Dort können Schülerinnen und Schüler in der Mittagspause ihre eigenen Ideen verwirklichen. Zeichnen, Malen, Modellieren, Filzen oder andere Gestaltungsmöglichkeiten können frei gewählt und umgesetzt werden.

Die Kooperation mit der Zooschule Krefeld ermöglicht den Zoo als außerschulischen Seh-, Zeichen- und Erfahrungsraum zu nutzen. In der Erprobungsstufe bieten sich für Gestaltungsarbeiten z.B. die Themen Tarnung/Farbe oder Oberflächenstrukturen/Linien an, um vor Ort erste Ideen zu skizzieren. Die Kunstklasse 6a beteiligte sich im Schuljahr 2017/18 an der Aktion „Rhino_Art“, indem sie eine Patenschaft für ein gegossenes Nashorn übernahm, welches von den Schülerinnen und Schülern mit einem Ricarda-Design bemalt wurde und in der Schule ausgestellt wird. Im Sommer gestalten Schülerinnen und Schüler dreidimensionale (Tier)-Objekte im Rahmen der Shona-Art. In diesen Bildhauerworkshops, welche von Künstlern aus Afrika angeleitet werden, lernen sie den Umgang mit dem Material Stein und speziellem Werkzeug.

Die Kooperation mit dem Krefelder Künstler Frank Esser, dessen Atelier roter Fuchs im Stadtwald liegt, eröffnet direkte Einblicke in seine Arbeitsweise und seine Kunstwerke. Künstlergespräche im Kunstunterricht unserer Schule oder in seinem gelben Atelierhaus lassen seine Bilder direkt erfahrbar werden, während die Schülerinnen und Schüler unmittelbar Techniken kennenlernen, die sie in ihrer eigenen Arbeit umsetzen können. Eine längere Zusammenarbeit entwickelte sich mit der Kunstklasse 6a, die an zwei Projekttagen zum Thema „Tierporträts“ zeichnerisch und malerisch intensiviert wurde. Gemeinsam mit Herrn Esser präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihre „Tierporträts“ in einer Abschlussausstellung. Innerhalb der Projektwoche „Was uns bewegt“ im Sommer 2017 wurde unsere Fachschaft bei der Durchführung der Projektgruppe „Flurgestaltung“ von Herrn Esser unterstützt, bei der der 13Plus-Flur mit Grafittis ein neues Gesicht erhielt. Ein erstes Grafitti entstand bereits am Aufräumtag 2015, an dem Schülerinnen zusammen mit Herrn Esser die Wand vor dem SEL-Raum gestalteten.

Der Krefelder Kunstverein ermöglicht nicht erst seit diesem Schuljahr unseren Schülerinnen und Schülern eine direkte Begegnung mit zeitgenössischer Kunst von Arbeiten Krefelder Künstler oder Künstlern aus der Region. Der private Kunstverein im Buschhüterhaus bietet uns flexible Öffnungszeiten. Intensiviert wird die Zusammenarbeit durch mögliche Künstlergespräche, Atelierbesuche, so dass die Schülerinnen und Schüler Anregungen und unmittelbare Anleitungen für die eigene künstlerische Arbeit erhalten.

Eine mögliche Kooperation mit dem Haus der Seidenkultur der „Paramentenweberei Gotzes“ wird angestrebt.

Innerhalb Krefelds laden das Kaiser-Wilhelm-Museum, Haus Lange und Haus Esters ein, Kunst vor Ort anzusehen und zu erleben. Zeitgenössische Künstler u.a. aus Krefeld lernen unsere Schülerinnen im Krefelder Kunstverein kennen.

Textiler Kunst und der Tradition der Seidenweberei begegnen unsere Schüler und Schülerinnen im Textilmuseum in Linn oder im Haus der Seidenkultur in der Paramentenweberei Gotzes.

Das Museum Kunstpalast und das K20 und K21 in Düsseldorf sowie Museen in Köln, Bonn und Mönchengladbach bieten sich außerdem als außerschulische Lernorte an.

Projekte

Kunst wird bei einem Projekt in einem Kontext erfahren, den sonst der Kunstunterricht so nicht ermöglichen kann. Die Schülerinnen und Schüler können in einen direkten Austausch mit dem Kunstschaffenden treten, der ihnen bei der eigenen künstlerischen Produktion aktiv Hilfestellung geben kann. Ziel dabei ist es, ein tieferes Verständnis für bildende Kunst über die Einsicht in künstlerische intermediale Prozesse zu erlangen, und dies sowohl analytisch als auch individuell gestaltend.

Folgende Projekte wurden von der Kunstfachschaft in den letzten Schuljahren durchgeführt:

Projekttage „Tierporträts“ der Kunstklasse 6a (16.05. und 30.05.18) mit dem Krefelder Künstler Frank Esser

Die Kunstklasse 6a arbeitete an zwei Projekttagen jeweils vier Stunden unter der Anleitung von Herrn Esser zum Thema „Tierporträts“.

Ein erstes Kennenlernen fand am 21. November 2017 statt, an welchem Frank Esser drei seiner Tierbilder mit in den Kunstunterricht brachte. In einem Interview mit dem Künstler erfuhren die Schülerinnen und Schüler z.B. etwas über seine verwendeten Materialien für Leinwände und Farben, seine Arbeitsweise und die Auswahl seiner Bildmotive.

Am 19. April 2018 besuchte die Kunstklasse das Atelier roter Fuchs des Künstlers im Stadtwald, in dem die Klasse einer Vielzahl seiner Gemälde vor Ort begegnete und lernte, wie man aus Naturmaterialien selber Farbe herstellt. Außerdem holte sie sich erste Anregungen für das Zeichnen von Tieren für die beiden Projekttage ab.



Projekttag I am 16.05.18
Erstellen erster Tierskizzen mit Zeichenkohle und Übertragen des Lieblingstieres auf Leinwand. Hier lernten die Schülerinnen und Schüler, wie man durch Modulation der Linien Plastizität der Oberflächen erreichen kann.

Projekttag II am 30.05.18
Malerische Umsetzung der Tierporträts auf Leinwänden. Die Schülerinnen und Schüler wurden beim Mischen ihrer Farbtöne von Herrn Esser angeleitet, so dass sie die Wirkung einer reduzierten, nicht rein naturalistischen Farbgebung für die Lebendigkeit ihrer Malereien nutzen lernten. Besondere Effekte erzielte die Klasse durch den Einsatz von Spachteln oder dem Auftragen von „Blattgold“.

Abschlusspräsentation am 02.07.18
Die gesamten Ergebnisse, bestehend aus Skizzen und Leinwänden, stellte die Kunstklasse 6a im großen Kunstatelier aus. Realisiert wurde das Projekt mit freundlicher Unterstützung des Fördervereins unserer Schule sowie der Firma Acadon, in der vom 04.07. bis zum 27.11.18 die Tierporträts im Foyer ausgestellt wurden.

Künstlerbilder „Hühner“
Die Kunstfachschaft erwarb aus der Serie „Hühner“ zwei Malereien von Herrn Esser, wobei er uns eine als Schenkung überreichte. Diese werden im ersten Stock vor dem Schulleiterbüro und dem Sekretariat ausgestellt.

Projektwoche „Was uns bewegt“ (10.07. bis 13.07.17)  Flurgestaltung mit Frank Esser

In der letzten Woche vor den Sommerferien wurde der Übermittagsflur von Schülerinnen und Schülern der Klassen 6 bis Q1 unter Anleitung des Künstlers Esser neu gestaltet.

Vor dem SEL-Raum wurde das am Aufräumtag begonnene Graffiti erweitert.

Die einzelnen Gruppen entwickelten schnell und selbständig eigene Bildideen. Aus ihren Entwürfen erstellten die Teilnehmer Papierschablonen, welche auf Folien oder an den Wänden befestigt wurden, so dass nach dem Besprühen eine Vielzahl witziger Motive entstand.

Ein Pfau mit prächtigem Federkleid, eine Krankenschwester neben dem Saniraum, ein schaukelnder Affe über dem Ricarda-Atelier oder grinsende Folienmonster sind einige Bilder innerhalb der gesamten Flurgestaltung.

Realisiert wurde das Projekt mit freundlicher Unterstützung des Fördervereins unserer Schule.

einige Impressionen:

LichtGestalten (14.09.2015 – 25.01. 2016)
mit den Künstlern Christian Spieß und Matthias Plenkmann

 Ziel des Projektes LichtGestalten ist eine unmittelbare Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit zeitgenössischen intermedialen Techniken professioneller Künstler und Künstlerinnen zu fördern, um somit eigene intermediale Kompetenzen zu stärken.

Für das Schuljahr 2015/2016 erhielt unsere Schule für LichtGestalten eine finanzielle Förderung vom Land NRW (Kultur und Schule) und es startete eine kontinuierliche Zusammenarbeit der Klasse 9b und Schülerinnen und Schülern der 8. Und 9. Klassen der Tagtool-Bau-AG mit den Künstlern Christian Spieß und Matthias Plenkmann.

Folgende Sequenzen sind zu nennen:

  • Vorstellen des intermedialen Zeichen- und Animationswerkzeugs Tagtool im September 2015
  • Planung von künstlerischen Arbeiten der Schülerinnen und Schüler:
  • Entwurf der Plastiken und Entwurf der Tagtools
  • Umsetzung der Plastiken mit verschiedenen Materialien (z.B. Draht, Papier, Folie)
  • Bau der Tagtools
  • Erstellen der Frames als Bildfolge für die Lichtmalerei
  • Farbgestaltung der Tagtools
  • Umsetzung der Lichtmalereien auf den Plastiken, Dokumentation mit Fotos
  • Bau des Innenlebens der Tagtools und Ausprobieren
  • Abschlusspräsentation in der Schule am 22.01.2016 von 17.00 bis 18.30 Uhr

Mit der finanziellen Unterstützung des Landes NRW („Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen“.) und des Fördervereins sowie der Stadtwerke und der Firma Wacom  wurde eine Intensität der künstlerischen Arbeit geschaffen, die auch zukünftig über das Fach Kunst hinaus, künstlerisch-musische Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet.

Projektleitung LichtGestalten am Ricarda
Veronika Josch-Blocklinger
LichtGestalten am Ricarda mit
Christian Spieß und Matthias Plenkmann

 Hair (06.11. 2013 – 12.01. 2014) – „Das Haar in der Kunst“

Gemeinsam mit der Künstlerin Bettina Zachow besuchte ein Kurs der Jahrgangsstufe 10 (EF) die Ausstellung „Hair“ – „Das Haar in der Kunst“ im Schloss Oberhausen. Dabei hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, drei Arbeiten kennenzulernen und Fragen zu Idee und Material zu stellen. Eine Führung mit Schülerbefragung sowie das Anfertigen von kleinen Skizzen vor Ort rundeten den Besuch ab.

Anschließend fand über einen Zeitraum von mehreren Wochen ein zeichnerischer Dialog zwischen Schülern und der Künstlerin statt. Die Schülerinnen und Schüler erstellten Zeichnungen zu Begriffen, die von der Künstlerin zuvor zugeschickt worden waren.

Es folgte ein Projekttag, an dem der EF-Kurs mit Frau Zachow mit den Materialien Seife und Haar eigene Seifen- und Haarobjekte herstellte, die im RHG anschließend für alle ausgestellt wurden.

Ziel des Projektes Hair war es, einen intensiven, direkten Einblick in das künstlerische Arbeiten der Künstlerin Bettina Zachow zu erhalten, um außergewöhnliche Gestaltungsmedien kennenzulernen und damit Möglichkeiten für eigene Gestaltungsanlässe zu eröffnen.

Die Kunstfachschaft erwarb insgesamt vier Zeichnungen, welche Frau Zachow im Rahmen des Projektes „Hair“ zeichnete, von denen wir zwei als Schenkung erhielten. Diese Arbeiten werden in der ersten Etage vor dem Schulleiterbüro bzw. dem Sekretariat ausgestellt.

Wir bedanken uns für die finanzielle Unterstützung des Projektes durch den Förderverein.

Schülerarbeiten

Zeichnungen der Künstlerin im Rahmen des Projektes