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Zeitzeugen berichten aus erster Hand – ehemalige Zeugen Jehovas zu Gast im Religionsunterricht
- 20. Juli 2026
- Gepostet von: RHG-Redaktion
- Kategorie: Religion
Einen besonderen Einblick in das Thema „Sekten und alternative Glaubensgemeinschaften“ erhielten heute die Religionskurse der Jahrgangsstufe 7 von Herrn Erkens und Frau Herbers. Zu Gast waren die Brüder Frank und Michael Bruder, die rund 30 Jahre lang Teil der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas waren und diese vor etwa 25 Jahren verlassen haben.
Da beide in die Gemeinschaft hineingeboren wurden, konnten sie den Schülerinnen und Schülern aus erster Hand schildern, wie das Leben innerhalb der Gemeinschaft aussah. Sie berichteten von den Strukturen der Zeugen Jehovas, ihren Regeln und Glaubensvorstellungen sowie davon, welche Freiheiten sie besaßen und welche Einschränkungen sie erlebten. Auch erzählten sie von ihrer Tätigkeit als Missionare, bei der sie von Tür zu Tür gingen, um neue Mitglieder zu gewinnen – eine Aufgabe, die ihnen zunehmend schwerfiel und schließlich zu einer langsamen inneren Distanzierung von der Gemeinschaft beitrug. Den Anstoß zum finalen Ausstieg lieferte aber das Werk von Raymond Franz Der Gewissenskonflikt (im Original: Crisis of Conscience), einem ehemaligen Zeugen Jehovas, welche die Strukturen der Gemeinschaft äußerst kritisch, aber realistisch unter die Lupe nahm.
Darüber hinaus informierten die beiden Gäste über die Geschichte der Zeugen Jehovas, die Bedeutung des Wachtturms, die heutige internationale Zentrale sowie über Wege der Mitgliedergewinnung. Besonders spannend war für die Schülerinnen und Schüler, dass Frank und Michael Bruder anhand aktueller Videobeiträge von der offiziellen Internetseite der Zeugen Jehovas gemeinsam mit den Kursen analysierten, welche Botschaften vermittelt werden und welche Aspekte aus ihrer Sicht kritisch hinterfragt werden sollten.
Währenddessen beantworteten die beiden offen und ausführlich die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler, die sich bereits im Unterricht intensiv mit dem Thema beschäftigt hatten. Dabei wurde deutlich, dass sie nach ihren persönlichen Erfahrungen insbesondere emotionalen und psychischen Druck als prägend empfanden, gleichzeitig aber auch darauf hinwiesen, dass Außenstehende manche vorhandenen Freiheiten innerhalb der Gemeinschaft häufig gar nicht vermuten würden. Gerade diese differenzierte Betrachtung machte den Austausch besonders wertvoll.
Für Frank und Michael Bruder war es der erste Besuch an einer Schule. Obwohl sie zugaben, im Vorfeld etwas nervös gewesen zu sein, war davon während ihres Vortrags nichts zu spüren. Mit großer Offenheit, Authentizität und Souveränität nahmen sie die Schülerinnen und Schüler mit auf ihre persönliche Lebensreise und ermöglichten ihnen einen außergewöhnlichen Einblick in ein Thema, das sonst meist nur aus Schulbüchern bekannt ist.
Die Initiative des Besuches führte zugleich dazu, dass sich die beiden Brüder nach vielen Jahren erstmals wieder intensiv mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzten. Mit dem zeitlichen Abstand von inzwischen 25 Jahren konnten sie ihre Erfahrungen reflektiert und ruhig einordnen und den Schülerinnen und Schülern auf eine distanziertere, aber trotzdem lebendige Weise vermitteln.
Frank und Michael Bruder waren bereits mehrfach in Fernsehproduktionen und Dokumentationen zu sehen. Künftig möchten sie ihre Geschichte verstärkt auch an Schulen erzählen, um junge Menschen für die Bedeutung von kritischem Denken, persönlicher Freiheit und einem bewussten Umgang mit weltanschaulichen Angeboten zu sensibilisieren.
Wir bedanken uns herzlich bei unseren beiden Gästen für ihren Mut, ihre Offenheit und den bereichernden Vormittag. Der Besuch bot unseren Schülerinnen und Schülern einen praxisnahen Einblick, der den Religionsunterricht auf besondere Weise ergänzt hat.
M.Erkens
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