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Engagement, Empowerment und Einfühlungsvermögen – das war der Empathietag der 6. Klassen
- 10. September 2026
- Gepostet von: RHG-Redaktion
- Kategorie: Deutsch
Was ist eigentlich Empathie? Welche Formen von Diskriminierung gibt es? Und was kann man tun, wenn jemand, der einem nahe steht, Ausgrenzung erfährt? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die sechsten Klassen am Dienstag, den 14.07.2026, in verschiedenen Workshops. Beim „Empathietag“, organisiert und durchgeführt vom Deutsch-LK der Jgst. Q1 in Zusammenarbeit mit der Menschenrechts-AG, setzten sie sich mit Themen wie Rassismus, Sexismus, Homophobie und Zivilcourage auseinander.
8 Uhr in der Aula: Ein unruhiges Summen erfüllt die Luft. Etwa 100 Sechstklässler*innen rutschen auf ihren Stühlen herum, tuscheln, einige gähnen. Niemand weiß so recht, was sie erwartet. Nur, dass es irgendetwas mit Empathie zu tun hat. Und mit der Q1. Erst als Lia, Nava und Myra aus dem Deutsch-LK zum Mikrofon greifen, wird es still. „Ihr habt alle zwei Post-Its auf euren Plätzen liegen“, erklärt Myra. „Schreibt da mal eure Antworten drauf und hängt sie an die Pinnwand hinter euch.“ Dann liest sie zwei Fragen vor: Was bedeutet Gleichberechtigung für dich? Und: Wann hattest du schonmal, das Gefühl ausgeschlossen zu werden? „Dass alle gleich behandelt werden“ schreiben viele auf den ersten Zettel. Und ausgeschlossen gefühlt haben sich die meisten schonmal; größtenteils von ihren Freund*innen. Als die drei Moderator*innen kurz darauf nach Freiwilligen fragen, schießen sofort zahlreiche Hände in die Höhe. 15 Schüler*innen werden schließlich ausgewählt und auf die Bühne geholt, wo sie jeweils eine Rolle zugeteilt bekommen. Die von Hassan zum Beispiel, der erst vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen ist, gerade Deutsch lernt und noch nicht viele Kinder kennt. Oder Lina, die im Rollstuhl sitzt und trotz Unterstützung nicht alle Orte gut erreichen kann. Dann werden Statements vorgelesen und die Kinder machen einen Schritt vor oder zurück; je nachdem ob die Aussage auf ihre Rolle zutrifft oder nicht. „Wenn du deinen Namen sagst, wird er meistens richtig ausgesprochen“, lesen Mirjam und Mattis von der Menschenrechts-AG vor. „In deiner Familie ist genug Geld für Klassenfahrten, Geburtstagsfeiern oder Hobbys vorhanden.“ „Du hast noch nie Angst gehabt, wegen deines Aussehens ausgelacht zu werden.” Einige bewegen sich bei jeder Frage weiter nach vorne, andere bleiben hinten zurück. Am Ende sind die Schüler*innen über die gesamte Bühne verteilt. „Damit wollen wir euch zeigen, dass nicht alle die gleichen Chancen haben“, erklärt Lia aus der Q1 zum Abschluss.
Nach einer kurzen Vorstellung des Ablaufplans geht es für die sechsten Klassen dann in die Workshopphase. Vier verschiedene Themenbereiche erwarten sie: Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Homo- und Transphobie, Sexismus und Zivilcourage. Jeweils eine halbe Stunde lang lernen die Schüler*innen, Vorurteile kritisch zu hinterfragen, beschäftigen sich mit konkreten Beispielen von Diskriminierung im Alltag und sammeln Möglichkeiten, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Sie erstellen Mindmaps, basteln Plakate und bewerten gezeigte Situationen. Angeleitet werden sie dabei von Teams der Q1, die mit Präsentationen, Arbeitsmaterialien und multimedialen Impulsen unterstützen.
10:50 Uhr: Langsam füllt sich die Aula wieder. Laut schnatternd nehmen die Sechstklässler*innen, die bis eben noch fleißig in den Workshopräumen gearbeitet haben, wieder ihre Plätze ein und auch die Q1er machen sich bereit für den letzten Akt. Nach der Vorstellung der Ergebnisse der Anfangsumfrage wird es noch einmal still. Der Kurs hat eine Zusammenfassung des Tages vorbereitet – allerdings in ganz besonderer Form: Mit einem kleinen Theaterstück zeigen sie noch einmal, wie Zivilcourage aussehen kann – und dass füreinander einstehen gar nicht mal so schwierig ist. Die fiktive Schülerin Lea bringt darin den Kerngedanken des Empathietags noch einmal auf den Punkt: “Worte haben Folgen. Niemand sollte Angst haben müssen, wegen seiner Herkunft, Religion, Sexualität oder Geschlechtsidentität beleidigt zu werden.”
Die Veranstaltungsidee war einige Monate zuvor im Deutsch-LK entstanden. Zum Abschluss der Unterrichtseinheit “Sprache, Denken, Wirklichkeit” diskutierten die Schülerinnen, wie man eine möglichst diskriminierungsfreie Sprache schaffen könnte. Eine Möglichkeit: In der Schule anzusetzen und schon in der Unterstufe für Diskriminierung zu sensibilisieren. Die Idee des Empathietags war geboren. Eine Woche später dann die Frage von Kursleiterin Frau Flemming: „Wollt ihr das nicht einfach umsetzen?“ So begannen, nach einstimmigem Beschluss der Schüler*innen, die Vorbereitungen – zum Großteil eigenverantwortlich und neben dem eigentlichen Unterricht. In Zusammenarbeit mit der Menschenrechts-AG konzipierten die Schüler*innen Workshops, planten den Ablauf, informierten Lehrer*innen sowie Eltern und entwickelten eigene Materialien.
Viele Wochen später in der Aula können sie sagen: Das Projekt ist ein Erfolg. Das sehen auch die Sechstklässler*innen so: Die Workshops haben ihnen sehr gut gefallen, vor allem der große praktische Anteil, melden sie dem Deutsch-LK am Ende zurück. Dass die Inhalte von anderen Schüler*innen statt von Lehrkräften vermittelt wurden, kommt besonders gut an. „Das hat mir Vertrauen geschenkt“, sagt eine Schülerin. Nur länger hätten die einzelnen Einheiten sein dürfen… Eine Rückmeldung, wie man sie gerne hört. Zufrieden und unter regem Beifall entlässt die Q1 schließlich alle in ihren wohlverdienten freien Nachmittag.
Der Deutsch-LK hofft, dass sich der Empathietag als Tradition durchsetzen kann und auch in den nächsten Jahren von den folgenden Deutsch-LKs fortgeführt wird.
Lucia Rücker (Jgst. Q1)
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